Bunzlauer Keramik: Mehr als nur Geschirr. Warum die Welt das "polnische Gold" aus Ton liebt.

Bunzlauer Keramik: Mehr als nur Geschirr. Warum die Welt das "polnische Gold" aus Ton liebt.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum eine Tasse aus Bunzlau (Bolesławiec) mehr kostet als eine aus dem Supermarkt und warum Menschen aus den USA, Japan oder Korea bereit sind, ein Vermögen dafür zu zahlen? Bunzlauer Keramik ist kein gewöhnliches Steingut. Es ist echtes Steinzeug – ein Material, das so langlebig ist, dass es Generationen überdauern kann, und eine Kunstform, die so einzigartig ist, dass sie unverwechselbar bleibt.

In diesem Artikel nehme ich Sie mit auf eine Reise durch Feuer, Ton und Kobalt, damit Sie verstehen, was Sie wirklich in den Händen halten, wenn Sie diese Gefäße kaufen.

1. Das Geheimnis liegt in der Erde: Ton aus dem Bober- und Queis-Tal

Alles beginnt mit dem Rohstoff. Bunzlau (polnisch: Bolesławiec) ist nicht zufällig zur Welthauptstadt der Keramik geworden. Genau in dieser Region Niederschlesiens befinden sich Vorkommen eines einzigartigen Steinzeugtons. Es ist ein Material mit besonderen chemischen Eigenschaften – es enthält viel Siliziumdioxid und Aluminiumoxid.

Was bedeutet das für Sie? Nach dem Brennen ist das Gefäß nicht porös wie ein gewöhnlicher Blumentopf. Es wird hart wie Stein (daher der Name: Steinzeug) und vollkommen undurchlässig für Flüssigkeiten, selbst bevor es glasiert wird.

2. Ein Prozess, der keine Fehler verzeiht

Die Herstellung eines einzigen Bechers ist ein Prozess, der mehrere Wochen dauern kann und viele Hände beschäftigt. Hier gibt es kein Fließband, das tausende identische Kopien pro Minute ausspuckt.

  1. Formgebung und Reinigung (Fettling): Zuerst kommt die Gießmasse in Gipsformen. Nach dem Trocknen wird jedes Gefäß von Hand mit Schwämmen und Messern gereinigt, um die Nähte der Form zu entfernen. Das ist mühsame Handarbeit.

  2. Schrühbrand (Der erste Brand): Die Gefäße kommen in einen Ofen, der auf ca. 800°C aufgeheizt wird. Sie kommen als "Biskuit" heraus – sie sind hart, hellrosa und bereit für die Farbe.

  3. Dekoration (Die Seele von Bunzlau): Dies ist der wichtigste Moment. Jeder Punkt, jede Linie und jedes "Pfauenauge" werden von Hand aufgetragen.

    • Schwammtechnik (Stempelmethode): Eine weltweit einzigartige Technik. Die Malerinnen verwenden Stempel, die aus Naturschwamm oder Gummi geschnitten sind, und tauchen sie in Farben.

    • Pinselmalerei: Komplexere Muster (Unikate) werden zusätzlich mit Pinseln gemalt.

  4. Glasieren: Das bemalte Gefäß wird in einen Bottich mit flüssiger Glasur getaucht. In diesem Moment verschwindet das Muster unter einer weißen Schicht. Die Magie geschieht erst im Ofen.

  5. Hochbrand (1250°C): Das ist die Hölle für die Keramik. Die Temperatur ist so hoch, dass die Glasur schmilzt und zu einer transparenten, glasartigen Schutzschicht wird, während die Farben reagieren und ihre endgültige, gesättigte Farbe (z.B. das berühmte Kobaltblau) erhalten. In diesem Prozess erhält das Gefäß seine legendäre Widerstandsfähigkeit.

3. Klassisch vs. Unikat – Was hat es mit den Preisen auf sich?

Kunden fragen oft: "Warum kostet dieser Becher 10 Euro und der daneben, in der gleichen Größe, 40 Euro?". Die Antwort liegt in der Arbeitszeit der Dekoration.

  • Traditionelle Dekore (Klassik): Das sind einfache Muster, oft geometrisch, die die berühmten Kreise, Punkte und Pfauenaugen verwenden. Meistens werden 2-3 Farben verwendet (Kobalt, Grün, Braun). Sie sind schön, zeitlos und relativ schnell herzustellen.

  • Unikat-Dekore (U): Hier beginnt die Kunst. Die Muster sind dicht, mehrfarbig, oft floral. Die Malerin muss dutzende verschiedene Stempel und Pinselstriche auf einem einzigen Teller verwenden. Oft dauert die Dekoration eines einzigen Gefäßes bis zu einer Stunde. Zudem sind solche Muster oft urheberrechtlich geschützt und vom Künstler signiert.

  • Artistic / Limitierte Editionen: Die oberste Liga. Muster, die die gesamte Oberfläche des Gefäßes bedecken (auch innen!). Das sind kleine Kunstwerke.

4. Ist das eine Investition?

Definitiv ja. Bunzlauer Keramik, insbesondere Unikat-Muster sowie Stücke aus den 70er, 80er und 90er Jahren, gewinnen an Wert. Der Sammlermarkt (besonders in den USA, Deutschland und Japan) ist riesig. Wenn Sie ein Unikat kaufen, erwerben Sie einen Gegenstand, der in 20 Jahren ein Vielfaches wert sein kann – vorausgesetzt, Sie pflegen ihn gut.

Fazit: Wenn Sie Bunzlauer Keramik kaufen, bezahlen Sie nicht nur für einen Kaffeebecher. Sie bezahlen für die Handarbeit der Künstlerin, die diese Punkte gesetzt hat, für eine einzigartige Brenntechnologie und für ein Stück schlesischer Tradition, das die Zeit überdauert.

Retour au blog